TOCCATA Nr. 6/2010
Ars Antiqua Austria hat sich von Anfang ihrer Existenz immer für den österreichischen Komponisten Romanus Weichlein eingesetzt. Schon 1993 und 1994 erschienen erschienen eine Aufnahme seiner Sammlung Encaenia Musices des Jahres 1695 bei der italienischen Firma Symphonia. Jetzt liegt eine Neuaufnahme vor, die die alte nicht ganz ersetzen kann, da die damals aufgenommenen Duette für zwei Trompeten hier leider ausgelassen wurden. Die alte Aufnahme war gut, diese neue ist besser. Die verschiedenen Effekte und die originellen Ideen, die man in diesen Stücken findet, kommen jetzt noch besser zum Ausdruck, und die Interpretation ist kontrastreicher und theatraler. Dadurch wird die Qualität dieser Musik noch eindrucksvoller zur Schau gestellt. Und es zeigt sich einmal mehr, dass Weichlein sich vor bekannteren Meistern des österreichischen barock nicht zu verstecken braucht.
Johan van Veen
CONCERTO 227 – 08/09 2009
Romanus Weichlein: Encaenia musices (1695). Ars Antiqua Austria, Ltg. Gunar Letzbor. Symphonia (08230) ©2008 (Vertrieb Helikon Harmonia Mundi) 2 Cds

Hat er die Köchin nun umgebracht? Ist er im Oberkirchener Pfarrhaus wirklich so oft gegen ihre Zimmertür gerannt, dass diese schließlich nachgab? Sicher ist nur: Sprengkraft hat Romanus Weichlein allemal, mindestens in seiner Musik. Hör- und fühlbar macht sie das Ensemble Ars Antiqua Austria mit einer Aufnahme der Encaenia Musices. Es ist die vierte CD der Österreicher mit Werken des zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Landsmannes - und eine Jubiläums-CD: Vor zwanzig Jahren hat das Ensemble die Sammlung von Instrumental-Sonaten erstmalig eingespielt.
Das Temperament der Musiker um Gunar Letzbor entspricht wohl dem Weichleins, ob dieses sich tatsächlich im Einrennen von Zimmertüren und Schlimmerem geäußert hat oder nicht. Normal, glatt und unverbindlich ist kein Ton dieser Aufnahme: Akkorde krachen, Dissonanzen ziehen sich penetrant in die Länge und lösen sich in huschendem Piano auf, fugenartige Themen wettern und schmeicheln - manchmal alles konzentriert in Sätzen, die wenig länger als eine Minute dauern. Die fünf Streicher loten unbekümmert ihr Klangspektrum von klar bis kratzig aus. Zwei Clarintrompeten überstrahlen nicht als Highlight alles andere, sondern ergänzen den Streicherklang weich, aber kraftvoll. Laute, Orgel und Violone im Bass, abwechselnd weicher Klangteppich, kaum hörbare Begleiter und in den Vordergrund drängende Antreiber, geben nicht nur langen Ostinato-Sätzen Struktur und Drive. Die Musik fügt sich nahtlos in den Stil des ausgehenden 17. Jahrhunderts ein: Italienische Sonaten sowie Zeitgenossen wie Biber und Schmelzer fallen dem Hörer sofort ein. Individuell ist Weichleins expressive und facettenreiche musikalische Sprache trotzdem - Aufnahmen wie diese tragen vielleicht dazu bei, dass er einen Platz mehr in der Nähe seiner berühmten Kollegen erhält.
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WAS IST LOS? vom 14.-20.03.2009
Originalklang.
Seit 20 Jahren nimmt Gunar Letzbor und seine Freunde als Ars Antiqua Austria CDs auf. Von Anfang an stand österreichische Barockmusik im Zentrum, so auch die Werke des in Linz geborenen Komponisten Romanus Weichlein (1652-1706). Zum Jubiläum erschien nun dessen Sonatensammlung "Encaena Musices" quasi als zweite Auflage - auch um zu zeigen, wie sich die Klanglichkeit auf dem originalen Instrumentarium und der Zugang zur Musik verändert haben. Es war nicht nur ein Muss für AAA, diese Sonaten erneut und überaus virtuos einzuspielen, es ist auch ein Muss, sie gehört zu haben. (Symphonia SY 08230)
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http://www.musikansich.de/review.php?id=6567
GESCHENK
20 Jahre nach seiner ersten CD-Produktion feiert das Ensemble Ars Antiqua
Austria dieses Jubläum in ganz besonderer Weise: Es wiederholt gewissermaßen
seine Premiere und hat sich entschieden, wie damals die Sonaten der Sammlung
Encaenia Musices des österreichischen Barockkomponisten Romanus Weichlein
(1652-1706) einzuspielen.
Weichleins Musik ist dieser Ehre allemal wert. Das hat schon vor kurzem
die Aufnahme einer seiner Messvertonungen (MAS-Review) bewiesen. Und die
1695 publizierte Sonatensammlung bestätigt diesen Eindruck: In ihrem
leicht herben, aber schwungvollen Barockstil süddeutsch-österreichischer
Prägung und ihrer hohen Expressivität erinnern die Sonaten an
die Kompositionen von Heinrich Biber oder Georg Muffat. Die kleine Besetzung
mit zwei Violinen, zwei Violen, Violone, Laute und Orgel sowie zeitweise
zwei Clarintrompeten sorgt dabei für eine erstaunliche Klangvielfalt.
Dies nun allerdings ist nicht allein Weichleins Verdienst, sondern auch
eine Frucht der exzellenten und aus langjähriger Erfahrung schöpfenden
Interpretation durch Ars Antiqua Austria. Vergleicht man die Neuinterpretation
mit der 1989 entstandenen Aufnahme, so fällt auf, dass die aktuelle
Einspielung wesentlicher gerundeter und klangsatter tönt. Dazu trägt
der Einsatz der Violone anstelle von Cello bzw. Kontrabass bei. Auch geht
das Ensemble jetzt mit noch mehr Mut und musikantischer Frische zu Werke,
was sich u.a. etwa am bisweilen deutlichen Hervortreten der Laute ablesen
lässt. Der Charakter einzelner Sätze als Tanzsätze wird dabei
unterstrichen.
Angesichts der qualitätvollen Jubiläums-CD bleibt zu hoffen, dass
der Formation nicht nur weiter Erfolg und Jubiläen beschieden sein
werden, sondern dass sie ihren Einsatz für vergessene Randfiguren der
Musikgeschichte so konsequent und programmtisch stimmig wie bisher weiterverfolgt.
Sven Kerkhoff
Trackliste:
CD I: Sonaten 1-6, 49:37
CD II: Sonaten 7-12, 41:14
Besetzung: Ars Antiqua Austria, Gunar Letzbor: Leitung und Violine