"Der Wiener Musiker und Komponist Karl Kohaut" BR-KLASSIK 03.01.2010
"Gehobene Schätze Österreichs" KLASSIK.COM 03.01.2010
"Vergessener Meister der Vorklassik" KLEINE ZEITUNG 25.01.2010
"Eine CD mit Raritäten" GITARRE & LAUTE - ONLINE XXXI/2009/Nº 3
"Ausgegraben" MUSIK AN SICH 12/09
http://www.br-online.de/br-klassik/tafel-confect
Haydns Lautenist
Der Wiener Musiker und Komponist
Karl Kohaut
Die Kostprobe vom 03.01.2010
Von Wolfgang Schicker
Der österreichische Thronfolger und spätere Kaiser Joseph II. schrieb an seine Mutter Maria Theresia über den jungen Karl Kohaut, dass er "als Sekretär nichts nütze, weil er ständig verkühlt sei." Warum Joseph ihn trotzdem eingestellt hat? In Ernst Ludwig Gerbers "Lexikon der Tonkünstler" (1790) wird Kohaut als der "größte itzt lebende Lautenist" bezeichnet – dessen Dienste wollte sich Joseph II. nicht entgehen lassen. Damals war es durchaus üblich, begabte Musiker auch als Sekretäre und Schreiber einzustellen, besonders wenn sie wie Kohaut ein Instrument spielten, das in der täglichen Musikpraxis nicht mehr oft gebraucht wurde. Die große Ära der Laute als typisches Generalbass-Instrument der Barockzeit war im Niedergang begriffen, doch war das Lautenspiel im intimen Rahmen der adeligen Unterhaltung noch sehr beliebt. Auch Joseph Haydn soll Kohaut sehr geschätzt haben – sämtliche seiner Lautenwerke sind in enger Zusammenarbeit mit Kohaut entstanden.
Musik einer Epochenwende
Aus dem Zwiespalt zwischen dem gelehrten Stil des Barocks und dem leichten Stil der Wiener Klassik ergibt sich das faszinierende Klangbild der Lauten-Kompositionen Kohauts, etwa des verspielten und leichtfüßigen "Divertimento Primo" B-dur für Laute, zwei Violinen und Bass. Das Ensemble Ars Antiqua Austria hat einige dieser seltenen Perlen für die Laute ausgegraben (in der Stadtbibliothek Augsburg) und eingespielt. Neben dem Divertimento ein Lautenkonzert von Kohaut und ein Lautentrio von Haydn.
Zu seiner Zeit war Kohaut nicht nur als Lautenist bekannt, sondern auch als durchaus ambitionierter Komponist. Davon zeugt etwa sein Konzert für Kontrabass und Streicher sowie seine Sinfonia in f-moll – ein wuchtiges Werk im Stil des Sturm und Drang, dazwischen lieblich ausschweifend mit zarten Tönen der Empfindsamkeit.
Mitreißend und originell
Dem Lautenisten Hubert Hoffmann, dem Kontrabassisten Jan Krigovsky und dem Ensemble Ars Antiqua Austria ist eine mitreißende und originelle Einspielung gelungen. Leider muss man sich beim Hören erst an den starken Nachhall des Raumes gewöhnen. Die Aufnahme in einem slowakischen Schloss mag historisch inspirierend sein – schließlich wurden Kohauts Werke wohl in solchen Sälen aufgeführt. Doch verschwimmen in der halligen Atmosphäre oft auch die Feinheiten einer Musik, bei der es gerade da, wo die Laute beteiligt ist, auf die kleinsten klanglichen Nuancen ankommt. Das macht die Spielfreude der Musiker wieder wett und auch die Musik eines vergessenen Komponisten, von dem man hoffentlich bald öfter hört.
CD-Info
Haydns Lautenist
Karl Kohaut, Haydn’s lute player
Ars Antiqua Austria, Gunar Letzbor
Label: Challenge Classics CC72323
Tobias Roth, 03.01.2010
Ars Antiqua Austria und Gunar Letzbor spielen: Werke von Haydn & Kohaut
Label: Challenge Records , VÖ: 02.10.2009
Gehobene Schätze Österreichs
Die Laute wird meist mit barocker oder gar noch älterer Musik in Verbindung gebracht. In dem Bereich, der jünger ist als diese Demarkationslinie, schwindet sie recht schnell aus dem Blickpunkt. Um diese Grenzen, die, den politischen Grenzen nicht so ganz unähnlich, zumeist auf Konferenzen gezogen werden und konsequenterweise Streit zur Folge haben, konnte sich aber noch kein Künstler kümmern. Umso wichtiger und wertvoller ist, wenn spätere Künstler die Grenzen bewusst machen, verunsichern und durch ihr Beleuchtung verflüssigen: in der Musik ist durch die Neuinterpretation eine Möglichkeit genau dazu geboten.
Diese Möglichkeit wird genutzt, wenn nun etwa eine CD dem Lautenisten und Komponisten Karl Kohaut gewidmet wird. Er lebte von 1726 bis 1784 und scheint zu Beginn des 21. Jahrhunderts völlig vergessen. Der Wiener führte, soviel über ihn bekannt ist, ein (für die Zeit nicht seltenes) ‚Doppelleben’ als Hofbeamter und Komponist, und es war wohl nicht zuletzt durch die Gunst Josefs II., dass er viel komponieren durfte und 1766 gar geadelt wurde. Lexika seiner Zeit führen ihn als ‚größten lebenden Lautenisten’. Aber er taucht ehrenvoll nicht nur in Lexika, sondern auch in den Korrespondenzen von Mozart (sen. und jun.) oder Diderot auf. In den musikalischen Zirkeln und Salons war er reger Teilnehmer, wies auf die alten Meister hin, pflegte künstlerischen Austausch mit Joseph Haydn und schuf für sein Instrument Werke von höchstem Virtuosenanspruch. So ist es auch unklar, ob das Trio F-Dur, dass die neue CD des Ensembles Ars Antiqua Austria eröffnet, Haydn oder Kohaut zuzuschreiben ist. Vielleicht waren sie es gerade beide.
Das Ensemble um Gunar Letzbor (Violine) genießt einen exzellenten Ruf, wenn es um die interpretatorisch ausgefeilte Erschließung des österreichischen Spätbarocks geht. Man könnte sich gut und gerne zu der Aussage hinreißen lassen, dass die vorliegende CD, die neben dem genannten Trio noch ein Divertimento, eine Sinfonia sowie je ein Konzert für Laute und Kontrabass als Soloinstrument enthält, aufschlussreich genug, musikalisch und künstlerisch wertvoll genug wäre, um einen solchen Ruf erst zu begründen.
Das F-Dur-Trio offenbart sich als gelungene Legierung von Volksmusik und Kunstmusik, schmilzt unteilbar ein Ganzes zusammen, das uns auch heute nicht kalt lässt, wo viele dieser Beziehungsfäden für die Zeitgenossen sicher noch unverstellter wirkten. Der dritte, abschließende Satz hat einen lieblichen Mittelteil, in dem die Geige wunderbare Ornamente singen darf, während die Laute gemeinsam mit dem Bass einen weichen Untergrund bereitet. Das ist nächtliche, verstohlen süße Kantilene. Aber in dem Satz liegt ein starker Kontrast. Die rahmenden Allegro-Teile trumpfen auf, brausen auf, poltern und tanzen. Das Frage-und-Antwort-Spiel der Solisten auf Geige und Laute ist auf eine musikalische, geradezu musikantische Lust angelegt, die hier voll und zum Besten ausgeschöpft wird. Je näher das Trio zu seinem Ende kommt, umso größer wird die Unmittelbarkeit und Gewalt dieser Musik: freilich ohne stürmisch oder grob zu werden, denn Haydn bzw. ‚Haydnisch’ ist es nach wie vor. Aber mit so einer fast schon duftenden Lebhaftigkeit hört man ihn selten. Gunar Letzbors großer, saftiger Geigenton faltet sich mit dieser Lebendigkeit in den Raum und entwickelt einen unglaublichen Zug.
Eben solchen Zug, und noch ungewohnter, legt Jan Krigovsky, der bravouröse Solist des Kontrabasskonzertes in D-Dur, an den Tag. Das Konzert, das eines der ersten seiner Art ist, ist für einen im Wien der Zeit verbreiteten fünfsaitigen Bass komponiert, und auch hier wird dem Solisten einiges abverlangt. Bis ins Bratschenregister muss er klettern. Es ist aber nicht nur so, dass Kohaut, der Spieler eines seltenen Instruments, hier eine Lanze gebrochen hätte für andre, solistisch nicht gerade überfordert Kollegen. Gerade der langsame Mittelsatz ist, vor allem da, wo der solistische mit dem Continuo-Bass verbunden wird von einer düstren Aura, die anders als durch jenes große, dunkle Grollen nicht zu erzielen wäre. Wenn in diesem Satz einige versöhnliche Dur-Passagen nicht wären, wäre es vollends eine makabre, langsame Totentanzszene.
Diese Aufnahme vermag es, nicht nur Originalklang und an den Erkenntnissen der Forschung geschulte Stilsicherheit zu verbinden, sondern auch den Eindruck zu vermitteln, dass diese Musik nicht immer etwas war, das als hohe, ehrwürdig sterile Kunst an Orte wie den Konzertsaal gebunden war, sondern dass sie in der Zeit ihrer Entstehung auch aus Lust, Freude und vielleicht, gespielt worden ist, weil jemand tanzen wollte – und dabei dennoch genau die große Kunst war, die wir uns stillsitzend und ohne körperlichen Enthusiasmus anhören. Hier wird klar, dass es in dieser Richtung viel zu gewinnen und (wenn man es, wie hier, richtig anstellt) nichts zu verlieren gibt.
http://meinekleine.kleinezeitung.at/kultur/stories/383796/
Vergessener Meister der Vorklassik
von Naredi-Rainer am: 25.01.2010
Seinen Zeitgenossen galt er als "der größte jetzt lebende Lautenist", aber auch den Kontrabass soll er meisterhaft beherrscht haben. Obwohl er überdies auch als Komponist tätig war, der nicht zuletzt für die beiden genannten Instrumente, also in erster Linie für den Eigenbedarf schrieb, musste er einem Brotberuf als Beamter nachgehen, der ihm immerhin 1776 die Erhebung in den Adelsstand einbrachte.
Die Rede ist von Karl Kohaut, der 1726 im Wiener Stephansdom getauft wurde und von sich behaupten konnte: "Ich war Haydns Lautenist". Wie imposant sein technisches Können als Instrumentalist gewesen sein muss, belegt die jüngste CD von Gunar Letzbors Ensemble Ars Antiqua Austria, die einmal mehr von dessen höchst verdienstvoller Forschungstätigkeit in den heimischen Bibliotheken zeugt. "Eigentlich ist es beschämend, dass die österreichische Musikwissenschaft so wenig Augenmerk auf die Perioden vor der Wiener Klassik legt", klagt Letzbor im Booklet - und schafft Abhilfe.
Mit Karl Kohaut hat er einen Komponisten ausgegraben, der für die Übergangsphase zwischen Barock und Klassik steht. Mit Joseph Haydn hat er die Vorliebe für Anleihen bei der Volksmusik gemeinsam. Sein Kontrabasskonzert in D-Dur, eines der frühesten seiner Art, weist ihn als Virtuosen des fünfsaitigen Wiener Kontrabasses aus, den er immer wieder in höchste Lagen führt: Jan Krigovsky meistert diese hohen Anforderungen mit Bravour. Ähnlich anspruchsvoll gibt sich das Lautenkonzert in B-Dur, mit dem Hubert Hoffmann als Solist brilliert. Welche stilistische Wandlung Kohaut im Lauf seines Lebens vollzogen hat, zeigt seine Sinfonia in f-moll, die einerseits hohe Empfindsamkeit aufweist, sich andererseits aber schon ganz deutlich zu Sturm und Drang bekennt. Der Geiger Gunar Letzbor und sein Ensemble Ars Antiqua Austria vollziehen diese stilistische Entwicklung mit hoher Flexibilität und mitreißendem Engagement nach. Ihr eindringliches Plädoyer für Karl Kohaut sollte nicht ohne Folgen bleiben.
"Karl Kohaut - Haydn's lute player".
Hubert Hoffmann (Laute), Jan Krigovsky (Kontrabaß), Ars Antiqua Austria, Leitung: Gunar Letzbor.
Challenge Classics, 1 CD.
Ernst Naredi-Rainer
Gitarre & Laute ONLINE XXXI/2009/Nº 3
Einen neuen Namen, was die „Wiener Lautenkonzerte“ angeht, bringt das Ensemble „Ars Antiqua Austria“ ins Spiel: Karl Kohaut.
Karl Kohaut: Haydn’s lute player
Ars Antiqua Austria: Gunar Letzbor; Hubert Hoffmann, lute; Jan Krigovsky, Viennese double bass
Aufgenommen zwischen dem 26. und 29. März 2008, erschienen 2009
Challenge Classics [challengerecords.com], in Deutschland bei Sunny-Moon [sunny-moon.com]
CC72323
… „Eine CD mit Raritäten“ …
Karl Kohaut (1726-1784) war der letzte Lautenist in Diensten der Habsburger. Joseph II. (1741 [1765]-1790) war nicht nur ein modern denkender, von den Ideen der Aufklärung begeisterter Monarch, er war auch einer der letzten großer Kunstförderer und Mäzene des dem Ende zugehenden feudalistischen Gesellschaftssystems.
Kohaut kam noch vor der Inthronisation Josephs in kaiserliche Dienste, 1758 nämlich. Er wurde als Verwaltungsbeamter angestellt. 1778 wurde er dann Hofsekretär Josephs II, der ihn auch als Musiker geschätzt hat. Kohaut war schon über fünfzig, aber er konnte seine musikalischen Begabungen noch durchaus ins Spiel bringen. Mit Baron Gottfried van Swieten (1733—1803), dem niederländischen Diplomaten, der wesentliche Impulse auf das höfische Musikleben gab, stand er in Kontakt. Van Swieten war beispielsweise derjenige, der bei Wolfgang Amadeus Mozart Neuinstrumentierungen verschiedener Werke von Händel in Auftrag gab und dem wir auf diese Weise „das einzige Lautenwerk Mozarts“ verdanken, den obligaten Lautenpart der „Ode for St. Cecilia’s Day“, den Mozart nicht nur penibel beibehalten, sondern den er sogar um eine Kadenz erweitert hat. Aufgeführt wurde diese Bearbeitung 1790 (KV 592), also nach Kohauts Tod … immerhin muss es da noch einen Lautenisten gegeben haben, der den Part übernehmen konnte.
Die Lautenkonzerte von Kohaut sind stilistisch schon weit von denen von Hinterleithner und von Radolt entfernt, und das ist nicht weiter verwunderlich für einer Zeit, als sich Musik und Komposition in rasanter Geschwindigkeit und sehr grundsätzlich veränderten. Man bedenke, dass 1726, als Kohaut
geboren wurde, Bach und Händel noch gelebt und gearbeitet haben – und dass in den 1770er Jahren, da sind Kohauts Lautenkonzerte entstanden, Mozart (1756-1791) auf dem Weg nach Wien war. 1782 ist „Die Entführung aus dem Serail“ uraufgeführt worden! Es war eine Zeit der Revolutionen! Die Lautenkonzerte von Karl Kohaut waren zwar auch noch für kleine, kammermusikalische Besetzungen geschrieben, allerdings war das „klassische Solokonzert“ bereits sehr präsent. Die traditionelle Suitenfom war passé, gespielt und experimentiert wurde mit Material, das als „klassische Sonate“, für fast hundert Jahre die Komponisten beschäftigen sollte.
Dem Ensemble „Ars Antiqua Austria“ passen die Lautenkonzerte von Kohaut scheinbar besser ins musikalische Konzept als die des Herren von Radolt … und auch deren Aufnahme habe ich schon als Entdeckung gefeiert! Aber hier ist Gunar Letzbor mehr Freiheit gegeben, sein Virtuosentum und seine musikantische Kraft auszuspielen. Diese Musik wirkt orchestraler, obwohl sie kammermusikalisch besetzt ist – das gilt nicht nur für das Lautenkonzert, sondern in mindestens gleichem Maße für das „Concerto per Contrabasso solo, 2 Violini & Basso“, dessen Solopart von Jan Krigovsky gespielt wird. Ein fünfsaitiger „Wiener Kontrabass“ ist es, den er spielt – das Instrument, von dem Leopold Mozart 1769 schrieb, er habe auf ihm „Concerte, Trio, Solo etc. ungemein schön vortragen gehört“.
Eine CD mit Raritäten liegt uns hier vor: Ein Trio (per il Liuto, Violino obligato & Basso) von Joseph Haydn (1732—1809), dessen Echtheit allerdings stark bezweifelt wird; das erste Solokonzert aller Zeiten für Kontrabass und schließlich Konzerte für ein Instrument, dessen Schicksal bereits besiegelt war: die Laute. Sie wurde hie und dort noch gespielt, verschwand aber für über hundert Jahre aus dem musikalischen Geschehen. Zur Zeit von Karl Kohaut , war die Laute Zeugin einer Revolution, die alle gesellschaftlichen Aspekte betraf – auch die Musik, an deren Wandlung uns das Ensemble „Ars Antiqua Austria“ teilhaben lässt.
http://www.musikansich.de/ausgaben/0110/reviews/kohaut.html
Kohaut, K. (Ars Antiqua Austria): Haydn's Lautenspieler
Info
Musikrichtung: Vorklassik
VÖ: 02.10.2009 (Challenge Records / SunnyMoon / CD / DDD / 2008 / Best. Nr. CC72323)
Gesamtspielzeit: 66:44
Internet: Ars Antiqua Austria
AUSGEGRABEN
Eine höchst bemerkenswerte Figur der Musikgeschichte haben die Musiker um Ensembleleiter Gunar Letzbor hier "ausgeggraben": Karl Kohaut (1726-1784) war im regen Wiener Musikleben seiner Zeit bestens etabliert, stand zu Haydn und Mozart ebenso in gutem Kontakt wie zum berühmten Baron van Swieten. Er war gleichermaßen als Lautenvirtuose wie als Komponist anerkannt. Seine Vorliebe für die Laute prägt sein Werk auch dort, wo dieses Instrument gar nicht zum Einsatz kommt. Denn gerade ihre Herkunft aus der volkstümlichen Musik dürfte Kohaut Anlass gewesen sein, die Themen seiner Werke schon früh überwiegend volkstümlich inspiriert anzulegen. Dies ist für sich genommen nicht ungewöhnlich, jedoch überrascht, wie artifiziell und originell Kohaut dieses Material verarbeitet hat. Schon das 1761 publizierte Divertimento ist daher keine ganz leichte Kost, sondern versteigt sich in zum Teil recht kühne Klanggebilde und Harmonien, wie es Kohaut überhaupt fast immer gelingt, die Hörerwartungen zu unterlaufen: durch Trugschlüsse, plötzliche Einbringung eines Seitenthemas, abrupte Brüche und neuartige Kombinationen der Instrumentalfarben. Das ist alles andere als kleinmeisterlich, vielmehr höchst faszinierend und dabei doch immer voll koketter Galanterie.
Besondere Schmankerl in diesem Sinne sind das extravagante Kontrabassskonzert, das sich durch klangliche Experimentierfreude auszeichnet, aber auch das Lautenkonzert B-Dur, bei welchem sich die melodischen Entwicklungen vornehmlich im Bassregister ereignen und so dem Werk einen merkwürdig verschatteten Charakter verleihen.
Hörenswert ist auch das Haydn zugeschriebene Trio F-Dur, das vermutlich aus einer Zusammenarbeit mit Kohaut entstand. Es nimmt mit einem wunderbar sanglichen, grüblerischen Mittelsatz und einem farblich sehr differenzierten Schlusssatz für sich ein.
Janusköpfig zeigt sich die Sinfonie f-moll: hier zollt Kohaut dem Sturm und Drang Tribut, gleicht die musikalischen Schroffheiten aber mit zarten Einsprengseln immer wieder aus und schafft so ein kontraststarkes Werk.
Die Solisten Hubert Hoffmann (Laute) und Jan Krigovsky (Wiener Kontrabass) agieren virtuos, aber ohne unnötigen Druck. Ars Antiqua Austria nimmt die Sache nicht auf die leichte Schulter, sondern gestaltet die kaum bekannten Werke geradezu detailversessen und mit großer Ernsthaftigkeit, wobei insbesondere Gunar Letzbor das Verdienst zukommt, seinen Violinpart mit oft nachgerade zärtlicher Geste gleichermaßen zum Singen und zum Sprechen zu bringen. All dies ist zudem klangtechnisch optimal und bestens differenziert eingefangen worden.
Sven Kerkhoff