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FONOFORUM 10/11 - Selten hat man in zwei Minuten so viel Melancholie gehört, die zudem kunstfertig-elegant in einen Fugensatz verpackt ist, wie im Eröffnungsstück der g-Moll-Partita.
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- Die konzertanten Momente werden mit virtuosem Feuer serviert, die langsamen Sätze erklingen in spannungsvoller Ruhe.

 

FONOFORUM 10/11
Mealli. Sonate a Violino solo op.4: Arcana/Note1 C08033891690434 (56')
Fux. Partite a 3; Challenge SM CD608917238129 (68');
beide CDs: Gunar Letzbor, Ars Antiqua Austria

Österreichisch

Gunar Letzbor ist ein Meister der österreichischen Violinmusik, und mit seinem Ensemble Ars Antiqua Austria beackert er den riesigen Fundus der habsburgischen Archive vom kaiserlichen Wien bis zum klösterlichen Lambach. Zuletzt hat Letzbor sogar einen Wettbewerb zur Pflege der österreichischen Barockmusik ins Leben gerufen. Seine beiden jüngsten Veröffentlichungen decken die Extreme dessen ab, was an Violin-Kammermusik im 17. und 18. Jahrhundert vorstellbar ist: die ungezügelten skizzenhaften Sonaten eines gewissen Giovanni Antonio Pandolfi Mealli, der zeitweise in Innsbruck wirkte, und die ebenmäßig ausgearbeitete Kunst des wiener Hofkapellmeisters Johann Joseph Fux. Beim unbefangenen Hören ist Pandolfi interessanter, weil er unserer Vorstellung vom romantisch genialischen Künstlertum entspricht, der im Streit einen Altkastraten erdolchte. Letzbor spielt seine Musik, die kaum je den Regeln des kunstvollen Satzes entspricht, geheimnisvoll, improvisierend, nachdenklich-fragend über den statuarischen Orgelsäulen wie im elf Minuten langen Adagio der dritten Sonate, oder lässt die Klänge in den 22 Sekunden eines Presto förmlich explodieren. Man fragt sich, warum diese Musik überhaupt aufgeschrieben wurde, so aus dem Augenblick heraus gespielt wirkt sie bei Letzbor. Ganz anders Fux: Selten hat man in zwei Minuten so viel Melancholie gehört, die zudem kunstfertig-elegant in einen Fugensatz verpackt ist, wie im Eröffnungsstück der g-Moll-Partita.
Richard Lorber

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BÜHNENWIRKSAM
Fux, J. F. (Letzbor)
Partite a 3 (K 319-323, 326 & 326; 64)
VÖ: 07.03.2011

Bei Johann Joseph Fux' dreistimmigen Partiten muss man die Ohren spitzen! Es wäre zu schade, wenn einem beim Nebenbeihören die vielen schönen Einfälle und Details entgingen. Was nicht heißen soll, dass die insgesamt 38 Sätze, aus denen die acht Suiten bestehen, asketisch-vergrübelte HoÅNrübungen sind. Im Gegenteil: Fux demonstriert auf kleinem und manchmal auch sehr kleinem Raum, was er an melodischem Einfallsreichtum besitzt und flott und eingängig oder auch in kunstvoll kontrapunktischer Manier entfalten kann. Fux hat anspruchsvolle Unterhaltungsmusik im besten Sinne komponiert. Handwerkliche Gediegenheit und Inspiration gehen dabei eine gelungene Verbindung ein. Angesichts der Dichte des Programms empfiehlt es sich aber, nicht einfach alle Partiten nacheinander abzuspielen und durchaus mal einzelne Sätze für ein vertieftes Hören herauszupicken.

Gunnar Letzbor und die Ars Antiqua Austria gehen die Stücke detailbetont und zugleich schwungvoll an. Die konzertanten Momente werden mit virtuosem Feuer serviert, die langsamen Sätze erklingen in spannungsvoller Ruhe. Die kleinteilige, prononcierte Phrasierung und Artikulation dient dazu, jedem Stück ein individuelles Gesicht zu verleihen, ohne dass es gekünstelt wirkt. Letzbor und Ilia Korol setzen bei den Violinparts auf eine herzhafte, in wenigen Momenten etwas schroffe Tongebung und siedeln Fux dadurch an der Grenze zwischen Hoch- und Volksmusik an. Genussvoll werden die barocken Affektgesten und geradezu bühnenwirksamen Effekte serviert. Dass sich das Programm über die Dauer von rund 70 Minuten nicht totläuft, verdankt sich auch einer reich besetzte Bassgruppe, zu der neben Violone, Orgel, Cembalo und Laute gelegentlich auch etwas Schlagzeug treten kann, was dem tänzerischrhythmischen Drive der "Janitscharen-Musik" in der finalen Suite zu Gute kommt. So klingt die Musik trotz der angemessen kleinen Besetzung saft- und kraftvoll.
Georg Henkel

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