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HEINRICH FRANZ VON BIBER
Sonaten über die Mysterien des Rosenkranzes
Gunar Letzbor
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Lorenz Duftschmid, Wolfgang Zerer,
Wolfgang Glüxam, Axel Wolf
Arcana A 901, 1996 - 119:40 min.
The rediscovery of Franz Biber's genius is one of the highlights of the
last few years. Since their appearance in 1996 these two CDs have underlined
this. The score is testimony of Salzburg's musical maturity. These sonatas
are close to the sublime. Their richness is no obstacle to an austere
spirituality, profound, new and active. They allow the performers to
experience
a shared search for the "truth". Gunar Letzbor's violin captures
the fascination of the Baroque. The mysterious asymmetry, the unforeseen
and evocative fantasy and the passion for life.
FONO FORUM 1/98 ![]()
Dem Mystischen geöffnet
Biber, Sonaten über die Mysterien des Rosenkranzes Nr. 1-15, Passacaglia
g-MolI;
Gunar Letzbor (Violine), Lorenz Duftschmid (Viola da gamba), Wolfgang
Zerer (Orgel), Wolfgang Glüxam (Cembalo), Axel Wolf (Laute).
Arcana/Note 1 2 CD 901 (WD: 120 '32') DDD
Aufhahmedatum: 1996
Klangbild: Warm, präsent.
Fertigung: Sorgfältig.
Vergleichseinspielung: John Holloway, Tragicomedia (Virgin/EMI 2 CD 7 59551
2)
Bibers fünfzehn „Mysterien-" oder “Rosenkranz-sonaten",
die zusammen mit der „Schutzengel-passacaglia" einen geschlossenen
Zyklus bilden, stellen den Interpreten nicht bloß vor enorme technische
Probleme. Vielmehr besteht Unklarheit darüber, wie eng die Beziehung
zwischen den einzelnen Stücken und ihren Programmbildern wirklich
ist. Gunar Letzbor nähert sich dieser Frage aus einer barocken Denkhaltung
heraus und sieht beispielsweise einen unmittelbaren Zu-sammenhang zwischen
den verschiedenen Skordaturen und der inneren Dramatik des Rosenkranzgeschehens.
Dies erläutert er nicht nur in einer lesenswerten Werkeinführung,
sondern auch in einer musikalischen Interpretation, die sich dem Mystischen
der Musik öffnet, ohne faulen Zauber zu betreiben. Auf der Grundlage
einer sehr zuverlässigen Technik arbeitet der Solist mit atmosphärischen
Spannungen, mit Stimmungs-nuancierungen und mit Klangfarben, die einerseits
schon das Ergebnis einer persönlichen Reflexion sind, andererseits
den Hörer zum eigenen Re-flektieren anregen. Der entscheidende Vorzug
dieser Arbeit ist das gute Augenmaß, mit dem Letzbor seine Lesarten
präsentiert. So sind die Peitschenhiebe der siebenten Sonate als
solche deutlich zu vernehmen, ohne daß dem Hörer damit die
eigene Leistung des Nachvollzuges schon abgenommen wäre. Gleichwohl
tut Letzbor alles, um diese sehr spezielle, in ihrer Virtuosität
gar mißverständliche Musik dem Publikum nahezu-bringen. Sein
Ton ist wärmer und auf den ersten Blick auch persönlicher als
der von John Holloway, dessen immer noch exzellente Ver-gleichseinspielung
etwas spröder wirkt und daher vielleicht eher den Spezialisten zu
empfehlen sein wird. Und während Holloway seinen Biber vor allem
als erstaunlichen Künstler ins Licht rückt, stellt Letzbor ihn
als einen Menschen dar, der bei aller geistigen Selbständigkeit den
ernsthaften Bezug zu seinen katholischen Wurzeln nicht verloren hat. Lediglich
in der abschließenden Passacaglia scheint der Österreicher
die Grenzen zu sprengen. wenn er - was nicht unmittelbar einleuchtet -
mit dem Rhythmus so frei umgeht, daß bisweilen aus dem ungeraden
ein gerader Takt wird. Dem äußerst ansprechenden Gesamt-eindruck
den die variabel besetzte und flexibel agierende Continuogruppe noch positiv
verstärkt, kann dies freilich nicht schaden.
Matthias Hengelbrock
Toccata Nr.3/2005 Mai-Juni 2005
Aus:
Ein Denker, Theoretiker, Philosoph?
Werke um 1674
H.I.F.BIBER Sonaten über, die Mysterien des Rosenkranzes, Gunar Letzbor.,
Lorenz Duftschmid, Wolfgng Zerer, Wolfgang Glüxam, Axel Wolf (1996;
119:40); Arcana A401 (2 CDs).
Gunar Letzbor hat die Rosenkranz-Sonaten in der Kirche Mariae Himmelfahrt
im heimatlichen Hallstatt am See aufgenommen. Im Geleitwort seiner Interpretation
bekennt er explizit und freimütig, dass gerade diese Sonaten einer
starken emotionalen und geistigen Deutung bedürften und erst durch
die per-sönliche Anteilnahme die mystische Grundidee dieser Kompositionen
auch für den Zuhörer spür- und hörbar werden könne.
Entsprechend experimentieren Gunar Letzbor und seine sieben Gefährten
von Ars Antiqua Austria mit Orgel, Cembalo, Laute, Viola da gamba, Kontrabass
zum einen mit einer breiten Palette an Ausdrucksmöglichkeiten ihrer
Instrumente auch jenseits des konventionellen Rahmens, zum anderen durch
variable Zusammensetzung bei der Ausführung des Continuoparts, um
Atmosphäre und Dramatik vielfältig expressiv umzusetzen. Der
Zugang wirkt männlich im Zugriff, vielleicht etwas abenteuerlich,
aber farbig und spannend. In der Track-Liste sind neben Bibers Bezeichnungen
der Einzelstücke auch alle Kupferstiche aus der Handschrift in verkleinerter
Form abgedruckt und die Formeln des Rosenkranz-Gebets im Wortlaut beigegeben.