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Toccata Nr.3/2005 Mai-Juni 2005

Ein deutschböhmischer Musikant, Österreichischer Komponist? – Werke -1668--1674 (I)
H.I.F.BIBER Un Carnevale a Kremsier. Ars Antiqua Austria: Gunar Letzbor (1995; 75:01). Symphonia SY95143

Pssst!... Die Gespräche sind verstummt - wir befinden uns auf einem Faschingsfest am Hof des Fürstbischofs Karl von Liechtenstein-Castelcorno. Jetzt fängt die Musik an: Die Solovioline ahmt in der Intrada vom Trombet- undt musicalischer Taffeldienst sonor und markant die Signale einer Tromba nach. Ein herrlicher Abend, das Streicherensemble ist vorzüglich - aber wo ist der Heinrich Biber wieder? Sobald man ihn aus den Augen lässt, macht er sich aus dem Staub! Da, die Sonatina geht fließend über in eine Pizzicato-Gavotte ohne Violone, plötzlich kommt der Nachtwächter - ist das nicht...? - , macht die Runde im Saal und weist zweimal demonstrativ darauf hin, dass es nicht mehr neune ist, sondern der Hammer zehne geschlagen hat. Kaum ist er weg, folgen die Ari-en in A, dann die Harmonia Romana für je drei Violinen, Violen und Cembalo - das ist eine Suite in sieben Sätzen, die wohl eher von Vejvanovsky stammen könnte: voller Solo-/tutti-Kontraste mit einem virtuosen Part für die Solo-Violine im Passaggio, bei der sie nur von den beiden übri-gen Violinen begleitet wird. In den Balletti in D kommen beim Satz Aria. Die Werber zusätzlich Drehleier und Schlagwerk zum Einsatz, dann weist der Nachtwächter wieder mit auffällig rauher Stimme auf die fortgeschrittene Stunde hin: elf Uhr. Weiter geht's mit den Arien in h, in der die fast stampfend bzw. schwungvoll musizierte Aria 1 ma Barbaresca/Aria 2da zwischendurch immer wiederholt wird, auch spielen sie die Balletti in g. Die Interpretation der Suiten reicht von "amaresca" bis "barbaresca", von galant-anmutig bis rustikal-ausgelassen, gelegentlich verleiht eine zusätzliche Flauto dolce dem einen oder anderen Satz der Suiten eine liebliche Note. Der Primgeiger spielt zur Musik auf, ohne sich aufzuspielen und kann sich in sein Ensemble einpassen, das mit Charme, Spielfreude, drive tänzerisch-beschwingt bei der Sache ist... Bevor noch der letzte Satz zu Ende ist, tönt plötzlich die Turmuhr mit zwölf Schlägen herein, macht dem Treiben schlagartig eine Ende: Der Fasching ist schon vorbei? Mit den Balletti lamentabili, gespielt mit dem gemessenen Ernst und der feinen Tongebung eines englischen Violenconsorts geht ver-halten-tröstlich die Platte mit Tanzmusik zu Ende...

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